Mitglieder des Willy-Brandt-Kreises - Prof. Egon Bahr

Portraitfoto Egon Bahr

Prof. Egon Bahr,
geboren 1922,
war Journalist, bevor er zum wichtigsten außenpolitischen Berater Willy Brandts wurde. Erst als Staatssekretär im Bundeskanzleramt, dann als Bundesbevollmächtigter für Berlin und Bundesminister für besondere Aufgaben avancierte er zum "Architekten" der neuen Deutschland- und Ostpolitik der Ägide Brandt.
Berühmt wurde sein Motto "Wandel durch Annäherung".

Im ersten Kabinett Schmidt Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit, anschließend von 1976 bis 1981 Bundesgeschäftsführer der SPD. Zwischen 1984 und 1994 Direktor des Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik (IFSH) an der Universität Hamburg.

1997 rief er gemeinsam mit Günter Grass, Friedrich Schorlemmer, Klaus Staeck und vielen anderen den Willy-Brandt-Kreis ins Leben.

Zahlreiche Veröffentlichungen.

Publikationen und Texte

Egon Bahr
Brandt und die Nation, Rede, gehalten am 08. Mai 2008 in Lübeck

Gesamter Text

Egon Bahr
DER DEUTSCHE WEG
Selbstverständlich und normal

Erschienen bei Blessing, 2003
160 Seiten
Geb., €12,00 [D] / € 12,40 [A]/ sFr 21,10
ISBN 3-89667-244-4

Seit seiner Tutzinger Rede im Jahr 1963, in der er neue Wege für die deutsche Ostpolitik wies, ist Egon Bahr immer wieder hervorgetreten als politischer Visionär und unorthodoxer Vordenker seiner Partei, der SPD. Seine Ausführungen zu dem von Kanzler Gerhard Schröder postulierten "deutschen Weg" sind provokant und für viele unbequem: Ohne Emanzipation von Amerika, das seiner hegemonialen Mission folgt, ist Deutschland auf dem Weg zur Kolonie. Der deutsche Weg, von Kanzler Schröder in der Auseinandersetzung mit den Vereinigten Staaten eingefordert, ist ein Begriff, der in Freunden wie Partnern ein ungutes Gefühl aufkeimen lässt. Zu sehr ist das Wort "Am deutschen Wesen soll die Welt genesen" in unheilvoller Erinnerung.

Bahr will Klarheit in die verworrene Diskussion bringen. Er meint, die unselige Vergangenheit dürfe unsere Zukunft nicht behindern. Nach der Machtversessenheit des Dritten Reichs und der Machtvergessenheit der alten Bundesrepublik müsse das vereinte Deutschland sein Gleichgewicht finden. Das fällt noch immer schwer. Zwei Generationen von Politikern haben sich daran gewöhnt, dass die großen Entscheidungen von den Großen getroffen werden, also muss die Angst vor der Souveränität besiegt werden. Denn eins ist klar: Wer Eigenverantwortlichkeit ablehnt, wird zum Spielball der Interessen anderer. Deshalb muss Deutschland ein eigenes Profil gewinnen. Die Verfassung verbietet auch in Zukunft die Teilnahme an Angriffskriegen, die Amerika sich vorbehält. George W. Bush wird ein Kriegspräsident bleiben. Dennoch ist Antiamerikanismus dumm. Der deutsche Weg führt in engem Zusammenwirken mit Frankreich zu einem Europa, das seine Partnerschaft mit Amerika erringen muss.

Egon Bahr
Der Nationalstaat: Überlebt und unentbehrlich

erschienen in Nr. 1 der "Brandt-Hefte", Steidl Verlag, Göttingen 1998, 60 S.

Eine Annotation von Horst Wagner